Besiedlung in der Dobrudscha

Gleich mehrere Familienzweige siedelten sich von Bessarabien aus in der Dombrudscha im Ort Kobadin an. Dazu zählten u.a.

die Enkelin des Plotzk-Begründers Andreas Blum (1776 – 1846)

1.) Christine Leyer (1830 – 1911) mit ihrem Ehemann Chrisoph Rösner (1826 – 1895)

sowie seine Urenkel, die Brüder

2.) Immanuel Leyer (1851 – 1905) und Karoline Rösner (*1851)

3.) Michael Leyer (*1858) und Eva Rösner (*1858)

Die Familie Rösner zog von Plotzk mit ihrer Familie in das neue „gelobte“ Land und siedelte, wie auch die beiden noch zu behandelnden Familienzweige in Kobadin.

Nachdem Kobadin bis 1877 eine türkische Siedlung war, wurde sie dann infolge entsprechender Kriegsverhandlungen rumänisch. Jedoch wurden die Gebäude im Krieg diesen Jahres nach der Flucht der Türken zerstört. In der Fortfolge verliessen immer mehr Tataren und Türken diesen Landstrich. Die Ackerlandpreise fielen und so war es für manch einen Bessaraber(deutschen) eine günstige Gelegenheit, sich hier anszusiedeln. Dabei halfen wiederum Werbeplakate, die hierauf im Besonderen aufmerksam machten. Aber auch die Bedingungen in Bessarabien waren nicht mehr so, so wie sie den ersten Kolonisten versprochen wurden. Viele Sonderrechte wurden entzogen. Inbesondere die bisherige Befreiung vom harten Militärdienst in Russland motivierte junge Männer, ihr Heil jenseits der Grenzen zu suchen.

Erste Siedlungsversuche bzw. Erkundigungen vorort übernahm eine Plotzker-Gruppe, der auch der o.g. Immanuel Leyer angehörte, bereits 1874. Nachdem sie den Winter in Jakobssohnstal bei anderen Siedler zubrachten, pachten sie rd. 200 ha Ackerland vom sog. Staatsgut Mosia Ioita. Dies war einige Wegstunden von ihrem Winterquartier entfernt. Nachdem erste kleine Häuser gebaut wurden, kam auch die Tante von Immanuel mit ihrer Familie Rösner 1876 sowie sein o.g. Bruder Michael Leyer hinzu. Die Siedlung wurde wg. der Herkunft der Bauern Neu-Plotzk genannt. Doch die Siedlung war nicht von Dauer, denn 1878 teilte der rumänische Staat die Ländereien an rumänische Bauern zu. Also zogen die Kolonisten ca. 15 KM weiter und errichteten eine gleichnamige neue Siedlung mit entsprechend gegenüberliegenden Häusern. Doch auch hier wurden die Zelte 1886 erneut abgebrochen, der Weg führte sie zurück nach Plotzk in Bessarabien. Doch wegen der vormals aufgegebenen russischen Staatsbürgerschaft gab es wiederum Probleme. Michael Leyer übernahme die rumänische Staatsbürgerschaft und so konnten sie einreisen, doch besitzen , pachten und bauen durften sie damit nicht. Erneut begaben sich die Brüder Leyer in die Gegend von Konstanza-Cernavoda, doch auch hier fanden sie reizvolle Bedingungen für eine Ansiedlung.

Eigentliche Gründung von Kobadin

Im Frühjahr 1890 begaben sich Michael und Immanuel Leyer wieder auf die abenteuerliche Suche nach einer guten Siedlungsstätte. Nachdem den Dobrudschadeutschen Matthias Hinz in Kostanza kennenlernten, baten sie ihn wegen seiner Türkischkenntnisse um Mithilfe bei entsprechenden Verhandlungen. Sie gingen noch einmal nach Plotzk zurück und vereinbarten mit ihren Cousins August und Christoph Rösner, dass sie die Ansiedlung gemeinsam auf sich nehmen, aber auch die Gewinne und Verluste anteilig ihrer Kapitaleinbringung teilen.

Sie reisten zurück in die Dobrudscha, besichtigten einige in Frage kommenden Flächen und entschieden sich dann für die Flächen bei Kobadin. Dies geschah wg. der rumänischen Staatsbürgerschaft zunächst auf dem Namen von Michael Leyer. Die Familien wurden entsprechend nachgeholt. Die Brüder Leyer kauften auch im benachbarten Sofular 1890 den ersten Grundbesitz. Insgesamt wurden die Flächen über die nächsten drei Jahre auf rd.1200 ha ausgeweitet. Auch die obige Familie Rösner kam im März 1891. Ab 1892 wurden anderen zugewanderten Deutschen entsprechende Flächen als Pächter oder Hälftbauern zur Verfügung gestellt.

Es waren gute Bodenverhältnisse, Wasser war in guter Tiefe relativ leicht heraufzuholen. Die oben erwähnten Cousins Christoph und August sowie Andreas Rösner erwarben eine vorhandene Dampfmühle nebst Hütte. Für die im Dorf entstehenden Häuser nahm man Kalksandsteine und Lehm. Immanuel Leyer bildete war in dem Dorf sehr angesehen und stellte sich mit Rat und Tat den Einwohnern zur Verfügung. Den genauen Lageplan der Höfe entnehmen wir der Geschichte Kobadins von Dr. Albrecht Keller.

Er vergrösserte strategischen den Grundbesitz der Leyers durch entsprechenden Zukauf von entsprechenden Grundstücken. August Rösner trat 1891 wegen anderer Zielrichtung aus der Gruppe der Gesellschaft aus. Nachdem dann 1893 die Deutschen auch in die Wahllisten kamen, löste sich der Rest der Zweckgemeinschaft noch bestehend aus Christoph Rösner und den Brüdern Immanuel und Michael Leyer wieder auf. Inzwischen wurden auch die Familien sukzessive durch die Geburt neuer Kinder vergrössert. Die Stammtafeln werden wir noch ein wenig zurückstellen, weil wir glauben, dass diese noch sehr unvollständig sind.

Immanuel Leyer wurde 1891 auch als politischer Vertreter der deutschen Ansiedler gewählt. Parallel war er auch der Schulz (Bürgermeister) von Kobadin.

Im Spätsommer 1918, in der Mitte des 01. Weltkriegs räumten unsere Familien zusammen mit den übrigen Bewohnern, die vorher nicht bereits zum Militärdienst berufen bzw. verhaftet und verschickt worden waren, das Dorf. Sie fuhren ohne feste Unterkunft im Norden der Dobrudscha umher. Im Dezember kamen die Ersten zurück. Sie fanden ihre Häuser zum Teil durch Vandalismus fremder Soldaten beschädigt. Da in dieser Gegend nicht unwesentlich gekämpft wurde, gabe es acuh eine Menge von Bodenschäden durch Granattrichter und Schützengräben.

Im Anschluss des 01. Weltkrieges kam es zur einer Agrarreform, die insbesondere die Landbesitzer mit mehr als 100 ha trafen. Auch Michael Leyer wurde um rd. 400 ha und Emanuel E. Leyer, vermutlich der Sohn des bereits verstorbenen Erstsiedlers Immanuel um 200 ha. Auch Christoph Rösner büste 95 ha ein. Die im Gegenzug erhaltenen Staatspapiere verloren schnell an Wert. Das Land wurde vom Staat Rumänien wiederum den Teilnehmern des Krieges zur Verfügung gestellt. Sofern deren Eltern aber schon Landbesitz hatten, kamen diese Flächen zum Teil auch gegen entsprechenden Zahlungen wieder zurück an die deutsche Bevölkerung.

Eine Zeit lang betrieben die Familien Emanuel Leyer bzw. Emanuel Rösner auch den Weinanbau. Christoph Rösner jr. betrieb ausserdem zusammen mit seinen Söhnen Nathanael und Eduard sowie Johannes Kraus eine Bauernmühle (Öl). Sie ist in der Chronik von Kobadin von Dr. Albrecht Keller auf Seite 9 zu sehen.

Mit Unterstützung des Michael E. Leyer, dem Sohn von Immanuel, konnte der notwendige Neubau von Kirche und Schule nach dem ersten Weltkrieg in den 1920ern langsam in Plaung und Umsetzung gehen. 1926 sind beide Gebäude in Nutzung genommen werden.

Besiedlung der Gemeinde Sofular

Nach dem ersten Ankauf und der Verpachtung entsprechender landwirtschaftlichen Flächen durch die Brüder Leyer wuchs das Dorf durch Zuzug entsprechender Kolonisten sukzessive. So waren 1893 sieben und 1894 schon 35 Familien ansässig. Die meisten von ihnen wohnten in den von den Türken an die Geb. Leyer verkauften Lehmhütten. Einige bauten sich aber auch eigene Häuser. Viele Familien wanderten zwischen 1896 und 1901 nach Amerika oder in ihre Heimat nach Bessarabien aus bzw. zurück. Ein wesentlicher Treiber und Siedler wurde der zweite Sohn des in Kobadin gesiedelten Immanuel (Emanuel) Leyer. Er hiess Michael Em. und bewirtschaftete sowohl in Eigenregie aber auch mit Hilfe der sog. Hälftbauern die landwirtschaftlichen Flächen. 1912 folgte ihm sein ältester Bruder Michael Mich. Leyer (1881 – 1931. Dieser hatte 1908 Katharina Klett geheiratet. Es bestanden nunmehr zwei stattliche Wirtschafts- bzw. Gutshöfe der Familie Leyer. Durch weitere Aus- aber auch Zuwanderungen sowie inzwischen auch angesiedelter Rumänen veränderte sich die Familienzahl Anfang der 1930er Jahre auf insgesamt 41 (ca. 180 Personen). Sie waren allesamt für die Familien Leyer tätig. Unter ihnen ein weiterer Bruder bzw. Cousin der Familie Leyer.

Wie oben beschrieben, griffen auch hier nach dem ersten Weltkrieg bzw. vielleicht auch schon davor die entsprechenden Enteignungsmassnahmen. Dabei konnte der im Krieg als rumänischer Unteroffizier dienende Michael Em. Leyer wohl auch keine Hilfe sein. Ca. 180 ha wurden auf diese Weise umverteilt, reichte aber noch nicht für alle Bewohner aus.

1928 wurde nach langen Planungen und Verhandlungen zur Refinanzierung ein Schul- und Bethaus gebaut. Ein Jahr darauf entstand die Bleibe für den Lehrer. Eine eigene Kirchgemeide wiederum wurde erst ab 1904 unter der Leitung des o.g. Michael Leyer vorangetrieben. Er galt als ernster bzw. strenger Weggefährte mit einem festen christlichen Glauben. Auch die Lehrerbesoldung hat er aus eigener Tasche einige Jahre finanzierut, weil ich die Bildung der Kinder so sehr am Herzen lag. 1923 erbaute er zusammen mit Eduard Seefried eine Mühle. Nachdem er gesundheitlich bedingt auch eine Zeit in Deutschland verbringen musste und somit auch deren ehrenamtlichen Arbeite nachkommen konnte, wählte man den Emanuel Mich. Leyer zu seinem Nachfolger. Dieser trieb die Arbeiten weiter voran, u.a. die Schaffung eines neuen Friedhof auf einem von ihm gestifteten Grundstück.

Umsiedlung im Jahre 1940

Im Verlaufe des 02. Weltkriegs wurden die Gebiete unsere Familien 1940 durch die Bulgaren besetzt. Der Umsiedlungsvertrag sah ähnlich der Bessarabiendeutschen aus. Es fanden einige Bahntransporte statt. Aber die meisten Bewohner wurden per Schiff transportiert. Die Einschiffung erfolgte über den an der Donau belegenen Hafen Cernavoda. Ca. 100 Lager nahmen diese Umsiedler zunächst auf. Die Hauptansiedlung erfolgte dann ab ca. 1942 mit etwa 9000 Personen im Protektorat Böhmen und Mähren, weitere Personen kamen ins Wartheland, Galizien, der Südsteiermark und und Galizien.