Emigration von Jakob und Christian Blum geb. Quast nach Amerika

Die Inhalte der nachfolgenden Aufzeichnungen sind neben weiteren Quellen im Internet und Archiven vor allem den Recherchen von Werner Blum (Vaihingen) sowie Florence Brown geb. Kunert (USA) zu verdanken. Sie führten hierüber einen regen brieflichen Austausch zur Familienforschung. Dafür danken wir sehr herzlich.

Auch aus unserer Familie haben Einige den Sprung über den „grossen Teich“ gewagt. Wie viele andere Millionen Menschen verließen sie inbesondere im 19. Jahrhundert ihre angestammte Heimat, um das grosse Glück in der neuen Welt zu finden. Die Deutschen stellten insbesondere in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts die größte Einwanderergruppe in den USA. Ab ca. 1890 kamen deutlich mehr Emigranten aus dem süd- und osteuropäischen Raum. Dazu zählte auch unser Verwandter Jakob (Jacob) Blum, der im Jahre 1846 in Plotzk (Bessarabien) geboren, 1866 seine Frau Christina Quast geheiratet und 1877 in die USA eingewandert ist. Damit legte er auch den Grundstein für inzwischen Hunderte von Nachfahren der Blums in Amerika. Die ersten sieben Kinder sind aber noch in Bessarabien geboren. Während der Reise musste die Familie noch ein ganz besonderes Schicksal verkraften und verarbeiten. Die erst zwei Jahre alte Tochter Helena ist leider auf dem beschwerlichen Reiseweg verstorben.

Familie Jakob und Christina Blum

In den 1870er Jahren veränderte sich die politische Situation in Bessarabien. Das friedliche Miteinander der verschiedenen Bevölkerungsgruppen kam zunehmend unter Druck. Viele tägliche Dinge wurden durch entsprechende Massnahmen „russifiziert“. Dabei nahm die Herrschaft von Alexander II. (1855-1881) einen besonderen Einfluss. Es kam zu Neid auf besondere Privilegien, die die deutschen Bauern zum Teil aus der Ansiedlungszeit noch hatten. In den Schulen sollte zukünftig die russische Sprache verwendet werden. Auch die wehrpflichtigen jungen Männer sollten zum Militärdienst eingezogen werden. Diese Umstände wie aber auch die positive Aussicht auf eine Ansiedlung kostenloses Landes in Amerika waren die Gründe des Aufbruchs in eine neue spannende aber auch ungewisse Zukunft. Amerika lag ja nicht gerade um die Ecke. Und auch hier begegnen uns, wie damals bei den Vorfahren der Blums, die aus Baden Würtemberg nach Westpreussen (heute Polen) aufbrachen, Agenten, die diese Auswanderung warben. Dabei waren nicht selten entsprechend öffentlich ausgehängte Werbeplakate von Unterstützung.

Doch die über viele Tausende Kilometer lange Reise ins gelobte Land war wenig komfortabel. Beginnend in der Heimat lag die erste Etappe zum Seehafen vor den Auswandererwilligen. Im Anschluss folgte eine längere Zeit des Wartens. Dichtes Gedränge in den Wartenhallen und an der Kaje. Und dann endlich die Einschiffung.

Einschiffung (Blick auf die Kaje) – Auswandererhaus Bremerhaven

Dann die besondere Enge mit vielen Menschen auf der Seereise. Vermutlich reiste die Familie Blum wohl eher in dem sog. Zwischendeck. Dich gedrängte Kojen und schlechte hygienischen Verhältnisse waren dort die üblichen Begleitumstände. Ansteckende Krankheiten verbreiteten sich sehr schnell, denn auch die Toiletten waren in einer zu geringen Zahl vorhanden.

Zwischendeck – Auswandererhaus Bremerhaven

Am Schluss die Gewöhnung an eine völlig neue Umgebung. Wer dies einmal alles nachempfinden möchte, dem sei ein Besuch im Auswandererhaus Bremerhaven empfohlen. Jakob fuhr mit seiner Familie aber vom Hafen Antwerpen ab. Ihr Schiff, die S.S. VADERLAND legte 1877 ab. Sie lief unter der Flagge der Red Star Line. Bezeugt ist diese Reise anhand der Passagierliste.

Die letzten beiden Personen sind Jacob udn Christina Blum

Die Gedanken und Ängste, die die Familie Blum umtrieben sind auch für uns heute, wenn wir tiefer in die damalige Zeit eintauchen vielleicht besser nachzuvollziehen. So war ihnen ja nicht bekannt, wie lang die Reise dauern würde. Und die Hoffnung, nicht von einer Krankheit ergriffen zu werden. Und wie ist wohl das Zusammenleben der Mitreisenden? „Haben wir wohl genügend zu Essen und zu Trinken?“. Zu den Mahlzeiten in der dritten Klasse gehörten oftmals Sauerkraut oder auch längst verhärteter Zwieback, dazu Bier. Und selbstverständlich hatten auch unsere Familienangehörigen Sorgen vor einem Schiffbruch bzw. anderen Wetterkapriolen.

Am 17. Mai 1877 betraten sie nach ihrer mehrwöchigen Reise dann erstmals auf der vor New York liegenden Insel Ellis Island den amerikanischen Boden. Vermutlich fuhren sie dann mit einem Zug über einige Tage weiter nach Territory Dakota, wo die u.g. Einbürgerungsurkunde ausgestellt wurde. Da es in dem späteren Siedlungsort keine Bahnabindung gab, sind letzten Kilometer sicherlich mit einer Kutsche absolviert worden. Bereits eine Woche nach der Ankunft in New York hielt Jacob Blum stolz seine Einbürgerungsurkunde in Händen.

Er zählte zu der grossen Zahl (ca. 100.000) von sog. Russlanddeutschen, die sich insbesondere auch in der neuen Prärie in North und South Dakota ab 1872 ansiedelten. Die Vermutung, dass sie Russen wären, weil sie aus Russland kamen, war damals fälschlicherweise nicht selten gegeben. Diese Neuankömmling waren in ihrer Sprache, den Gebräuchen und derKultur Deutsch. Ihnen wurde am Anfang entsprechendes Land kostenlos zur Ansiedlung zur Verfügung gestellt. Dabei handelte es sich vermutlich um die übliche einsame Grassteppe in dieser Gegend. Rd. die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche der USA waren um die Jahrhunderwende im Besitz von deutschen Auswanderern und deren Nachkommen.

Jacob Blum wurden mit nachfolgender Urkunde 160 Hektar Land zur Begründung einer Landwirtschaft in Molan Township (Menno) zugewiesen bzw. geschenkt.

Seine Siedlungsstätte in Molan Township (Menno) zeigt uns die vorliegende Karte exakt.

Oftmals sind befreundete bzw. miteinander verwandte Familien zusammen ausgewandert. Das trifft hier auf die weitere Familie Quast zu. Aber auch die Familien Frank, Handel und auch Delker (Dölker) stammen aus Plotzk bzw. Bessarabien. So ist mündlich und schriftlich übermittelt, dass die beiden Nichten von Jakob Blum, sie hiessen Regina und Maria mit ihren jeweiligen Ehegatten Delker (Dölker) zunächst von ihrem Onkel Jakob am Bahnhof in Yankton, South Dakota empfangen wurden. Vermutlich gab es zwischen den Familienangehörigen brieflichen Kontakt. Sie kamen alle in einer Zeit besonders wirtschaftlicher Dynamik in das neue Land. Überall wurde der Boden urbar gemacht. Es entstanden neue Häuser bzw. Farmen, Strassen und Geschäfts- und Fabrikgebäude. Auch der Eisenbahnbau nahm damals seinen Anfang. Die lang erhoffte, geplante und erwartete Verbindung der Central Pacific mit der Union Pacific Linie in Utah quer durch den Kontinent von Ost nach West konnte 1869 vollendet werden.

Hier in Menno bekamen die Eheleute Blum weitere fünf Kinder, Helen (1878), Loiusa (1880), Teresa (1882), Katherine (1885) und Andrew Jacob (1888), wovon sich der letzte Sohn 1912 auf die Reise nach Kanada aufmachte. Jacob wurde hier als Farmer und Carpenter (Bezeichnung für Tätigkeiten rd. um das Thema Holz) in den Büchern geführt.

Molan Homestead Menno (Siedlungsstätte Fam. Jacob Blum)

Nach einem bemerkenswerten Leben und einem Neuanfang in den USA verstarb er nach den Erzählungen seiner Familie (Blitzschlag oder Unfall vom Dach) bereits in seinem 44. Lebensjahr 1889 in Menno, Hutchinson Country, South Dakota. Seine hinterbliebene Ehefrau Christina heiratete ein zweites Mal, und zwar Jacob Zeller (1841-1925). Ihr gemeinsames Grab ist auf dem Friedhof in Menno zu finden.

2. Generation (Kinder von Jakob und Christina Blum geb. Quast):

a.) William Frederick Blum (1866 – 1941)

Der älteste Sohn William Frederick Blum heiratete 1890 die Tochter seines Stiefvaters Emilia Zeller (1871 – 1918). Sie zogen etwa Anfang der 1890er nach Corsica, Douglas Country rd. 50 Meilen westlich von Menno gelegen. Sie bekamen sieben Kinder, die alle geheiratet haben.

  1. Blum, Annette (1891-1972)
    oo 02.07.1911 Theuer, Harald, * 1890
  2. Blum, Edward Emmanuel (1892- 1941)
    oo 14.09.1911 Denganas, Petronella Mae
  3. Blum, Bertha (1896 – 1967)
    oo ca. 1916 Reuland, William (*1894)
  4. Blum, Arthur William Frederick (1898 – 1975)
    oo 20.01.1923 Carter, Vera (*1897,)
  5. Blum, Lillian Helen Louise (1902 -1935)
    oo 1920 Spears, Leo (*1900)
  6. Blum, Theodore Jacob C. (1904 – 1992)
    oo USA 12.10.1929 Smith, Mabel, (1910 – 1985)
  7. Blum, Emil Walte (1910 – 1984)
    oo Wintrode, Charlotte M. (1910 – 1983)

b.) Jacob Blum (1868 – 1905)

Der zweitälteste Sohn war als Carpenter (ähnlich eines Zimmermanns) beruflich tätig. Er wurde in Plotzk, Akkermann, Bessarabien im August 1868 geboren und ist gemeinsam mit seinen Eltern in die USA eingereist. Nachdem er seine Frau Emilie Huber (1874-1962), die in Feodosia auf der Krim geboren wurde, kennenlernte nahm er sie am 20.03.1892 in Menno, seiner inzwischen zur Heimat gewordenen Stadt zur Ehefrau. Vermutlich führten sie hier die Farm der Familie Blum weiter und bekamen drei Kinder, wovon das Dritte 1899 leider eine Todgeburt war.

  1. Blum, Emil Jakob Albert Carl, Alternativ Jacob, * Rural, Freemann/Menno,
    SD, USA 1893, + Zeeland, Mc Intosh, ND 1928
  2. Blum, Hulda, * Rural, Freemann/Menno, SD, USA 1896, + Burbank, Los Angeles, CA, USA 1990

Hulda vermählte sich in Aberdeen Brown 1918 mit William Joseph Kunert

William Joseph Kunert und Hulda Blum (Quelle: Werner Blum/Florence Kunert)

Die Grösse des Landes wird hier schon deutlich, so waren der Geburtsort Kranzburg von William, der Heiratsort Aberdeen und der Geburtsort von Hulda zwar alle im Staat South Dakota, aber zwischen 100 und 200 Meilen voneinander entfernt.

Sie konnten sich über zwei Söhne und vier Töchter in der nachfolgenden Generation freuen. Das nachfolgende Foto zeigt den Familienvater noch in jungen Jahren vermutlich um die Jahrhundertwende.

William Joseph Kunert ca. 1900 (Quelle: Werner Blum/Florence Kunert)

Sie liessen sich vermutlich schon vor 1918 in Zeeland, Mc Intosh im Staat North Dakota etwa 300 Meilen nordwestlich von der Heimat der Braut nieder. Dieser kleine Ort wurde insbesondere von Niederländern, die aus der Region Zeeland in ihrer Heimat stammen, 1902 gegründet. Hier wohnten lt. letzter Volkszählung von 2010 ca. 100 Menschen.

Hofgelände William Joseph und Hulda Kunert geb. Blum (Quelle: Werner Blum/Florence Kunert)