Familie Bleyer

Erika Bleyer, meine Schwiegermutter, bildet hier den Anknüpfungspunkt an diese Familie. Auch hier lohnt zur Orientierung der Blick in die Ahnentafel.

Die bisherigen Ergebnisse sind zwar noch ausbaufähig, aber trotzdem auch gerade wegen der vielen vorhandenen Fotos aus dem Familienbestand berichtens- und sehenswert. Der bisherige von uns erforschte Ursprung liegt in Thierbach (Sachsen). Dort wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert der Handarbeiter Friedrich Adam Bleyer geboren, seine Ehefrau hiess Christiane Dölz. Aus dieser Ehe entstammte am 05.10.1867 der Sohn  Franz Louis, der erstmals aus der Familie als Bergarbeiter seinen Verdienst nach Hause brachte.  Nachdem er in Schleiz (Thüringen) am 06.07.1889 die aus Oberböhmsdorf stammende Bertha Caroline Morgner zu seiner Frau nahm, sind sie aus beruflichen Gründen nach Zwickau umgesiedelt.  1910 wird er dort noch in der Jacobistr. 13a im Adressbuch genannt.


Sie bekamen zunächst 1889 ihren Sohn Walter. Und am 16.10.1890 folgte dann der zweite Sohn Edwin Franz in Zwickau. Edwin Franz erlernte, wie sein Vater, ebenfalls den Bergarbeiterberuf. Seine berufliche Laufbahn setzte er bis zum Obersteiger fort. Er zog wegen des besseren Arbeitsangebotes schon vor Ausbruch des 01. Weltkriegs mit seiner Familie zunächst nach Hövel (Hamm) und später dann nach Gelsenkirchen-Buer. Vermutlich lebten die Brüder Edwin und Walter Bleyer in diesem Doppelhaus „Tür an Tür“ in direkter Nachbarschaft.

Bleyer-Doppelhaus in Gelsenkirchen-Buer

Unter Tage verdienten die Brüder Bleyer ihren Familienunterhalt in der Zeche Graf Bismarck.

Bismarckzeche in Gelsenkirchen-Buer

Dort dürfte er vermutlich nach dem 01. Weltkrieg zusammen mit seinem Bruder Walter das o.g. Doppelhaus ggü.dem ehemaligen Bismarckstadion gebaut haben. Als Schiedsrichter im Fussball vertrieb er sich die wenige Freizeit.

Edwin Franz Bleyer (ca. 1950) – Obersteiger


Um 1914 heiratete Edwin seine Frau Berta und begründete eine Familie. Es folgten die Geburten die Kinder Herbert 1914, Edwin Heinrich 1915, Paula 1916 und Willi 1918 fast in Jahresschritten. Das Familienglück schien perfekt.

Edwin Bleyer (rechts)

Edwin, Willi und Walter Bleyer

 

Doch schon zu Beginn des 02. Weltkrieges zogen auch in der Familie Bleyer dunklte Wolken auf. Alle drei Söhne wurden zur Wehrmacht eingezogen.

Und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Der jüngste Bruder Willi ist schon wenige Monate nach seiner Einberufung gefallen. Und auch die Mutter Berta verstarb bald darauf und konnte leider nicht mehr die Entwicklung ihrer hinterlassenen drei Kinder verfolgen.


Der Vater Edwin Franz Bleyer ist am 24.07.1957 in Minden(Krankenhaus) in unmittelbarer Umgebung seiner Tochter an einem Magenleiden verstorben. Begraben wurde er 1957 auf dem Friedhof in Petershagen in einem Reihengrab.

Edwin Bleyer (Grossvater von Angela Konau) – ca. 1940

Edwin Heinrich „Heinz“ Bleyer ist in Hövel (Hamm) – im Herzen des Ruhrgebietes -, wohin es die Familie durch ihre Bergarbeitertätigkeit führte, 1915 geboren. Später erfolgte dann der Umzug nach Gelsenkirchen Buer. In dieser von der Kohle bestimmten Region wuchs er auf. Sport war seine grosse Leidenschaft. Insbesondere der Fussball bzw. der FC Schalke 04 standen bei ihm ganz hoch im Kurs.

Klassenfoto vermutlich mit E. Bleyer

Er war vor seinem Militärdienst im zweiten Weltkrieg als Versicherungs- und Bankkaufmann bei der Sparkasse tätig. Seine Ehefrau Anni Emma Minna Sauck lernte er an seinem Dienstort kennen. Die Vermählung fand noch in den ersten Kriegsmonaten 1939 in Bahrendorf statt. Sie führten eine aussergewöhnlich harmonische Ehe, liessen sich nach dem überstandenen Krieg keinen Tag mehr „aus den Augen“.

E. und A. Bleyer

Von der WAST haben wir bzgl. seines militärischen Lebenslaufes viele Details:
02.11.1937: 10. I.R. 12 Halberstadt
01.10.1938: Stab III/I.R. 12 – Polenfeldzug
01.02.1940 9. I.R.12 Westfeldzug dann verlegt nach Polen Lentschütz
dann Verlegung des III. Batailion vom I.R. 12 nach Bergen-Belsen
Neuaufstellung einer Devision (Schwerter Division 131 oder 431)
Verlegung nach Polen
22.06.1941 Russland Verwundung mit anschl. Lazarettaufenthalt in
Warschau, Donaueschingen und Magdeburg


Genesenenkompanie Halberstadt
09.1942 Versetzung zur Feldkommandatur 610 in Vrnjačka Banja Serbien
12.1944 Auflösung der Feldkomm. in Sarajewo mit anschl. Versetzung zur
Platzkommandatur in Doboy Kroatien
Versetzung zur Truppe bis zum 09.05.1945 bei 5 I.R. 370
Gefangenschaft in Ostreich, Verlegung nach Süddeutschland und am 16.06.1945 in Aalen(Würtemberg) entlassen.

Entlassungsschein Vorderseite
Entlassungsschein Rückseite

Opa Heinz schrieb seiner „Anni“ so oft er konnte. Aus diesen Briefen ist die Sehnsucht nach seiner Ehefrau und den Kindern in beeindruckender Form festgehalten.

„Heinz“ Bleyer am Schreibtisch

Nach Entlassung aus der Gefangenschaft konnte er leider nicht mehr in der Sparkasse arbeiten bzw. seinen Dienst wieder aufnehmen. Er trug, wie viele andere Soldaten eine Verletzung davon. Sein rechtes Handgelenk war infolge eines Durchschusses steifgeblieben, dadurch konnte er nicht mehr schreiben. Er konnte aber glücklicherweise eine Anstellung im Labor der HEW – Hamburgische Elektrizitätswerke – antreten. Die Familie Bleyer wohnte zunächst mit den Eltern Saucke im eigenen Haus in der Göhrder Strasse in Neu Darchau.


In seiner Freizeit ging der Hausvater gerne angeln, offensichtlich übertrug er diese Interessen auch an seine Enkel Thomas und Andreas. Zusammen mit ihrem Vater Günter, dem Schwiegersohn von „Heinz“ Bleyer gewannen sie einige Wettbewerbe. Weiterhin interessierte sich Heinz Bleyer auch für den Fussball. Auch das Laufen gehörte zu seinem sportlichen Betätigungsfeld. Im weiteren Leben begeisterte er sich zusammen mit seinem Schwiegersohn Günter Konau und dessen Bruder Willi für die Musik. Im Männergesangverein Neu Darchau-Katemin waren sie gemeinsam aktiv.

Männergesangverein mit Edwin Bleyer (01. Reihe zweiter von links)

In einem Schrank über der Werkstatt bei G. Konau wurden die
Utensilien (Noten etc.) aufbewahrt. Die eigenen Kaninchen bereiteten insbesondere seinen Enkelkindern viel Freude.

Er hatte zusammen mit seiner Ehefrau Anni Emma Minna Saucke insgesamt drei Kinder, wovon Christa leider bereits im Kindheitsalter infolge eines Unfalls in der Küche verstarb.


Edwin Heinrich und Anni Bleyer mit ihren beiden Kindern

1998 ist er nach einem bewegtem Leben in seinem Heimatdorf Neu-Darchau gestorben. Seine älteste Tochter E. Bleyer war die Mutter von Angela, der Ehefrau eines der beiden Autoren dieser Homepage.

E. Bleyer ca. 1940

In der Jugend und Kindheit bis ins höhere Alter hatte Erika viel Spass am Sport, wie Handball, Leichtathletik/Turnen und beim Tanz. In ihrer Jugendzeit hat sie, wie viele andere Mädchen und Jungen ihres Alters, einen Tanzkurs erfolgreich absolviert. Eine sehr schöne Aufnahme der Tanzgruppe zeigt sie hier:

Abtanzball ca. 1952

Zu den typischen Kinderspielen zählte lt. Aussage von Erika der Seiltanz. Viel Spass hatte sie auch beim Ausritt mit den Ackergäulen des Dorfes. Die Eltern förderten das Lesen massgeblich, bis ins hohe Alter blieb dies eins der Hobbys von ihr. Anlässlich der Kindergeburtstage wurden Schätze im Wald versteckt. Doch auch in der von ihr besuchten Schule in Neu Darchau war sie sehr fleissig, dies ist den guten Zeugnissen von ihr zu entnehmen.

E. Bleyer

Oma Saucke gab sich viel Mühe, dass die Hausaufgaben ordentlich verrichtet wurden. Auch dabei stand das Lesen sowie das „Auswendiglernen“ von Gedichten und Versen im Vordergrund. Opa Saucke war ein Naturmensch und gab sein Wissen über die Tiere und deren Leben gerne weiter. Die Konfirmation war für Erika ein ganz besonderes Ereignis.

E. Bleyer – Konfirmationsgesellschaft

Neben der Erziehung ihrer drei Kinder sowie der Haushaltsführung war sie als Hauswirtschafterin und später als Postbeamtin beruflich tätig. Von ihr erfuhren wir für unsere Forschung sehr viele spannende Geschichten aus der vergangenen Zeit. Ihren Vater, der im zweiten Weltkrieg seinen Dienst verrichtete, besuchte sie als Kind im Lazaratt in Magdeburg. Dieses Standort-Lazarett Magdeburg, in dem Edwin Bleyer eine Zeit lang verbringen musste, bestand schon vor dem Krieg. Bei der Mobilmachung wurde es Anfang des Krieges in „Reservelazarett Magdeburg“ später dann „Reservelazarett Burg bei Magdeburg“ umbenannt.

Foto aus dem Lazarett mit Edwin Bleyer

An den Wochenenden ging sie gerne in die Diskothek nach Alt Garge oder traf sich mit Freunden z.B. auf dem Schützenfest in Dahlenburg. Den inzwischen kennen und liebengelernten Günter Konau, heiratete sie ihn in der Kirche von Drethem 1957.

E. und G. Konau

Die Eheleute E. und G. Konau unterstützten die pflegebedürfige Verwandtschaft August Johann Diedrich Daus und Anna Gehrke und zogen in das Erdgeschoss des Anfang des Jahrhundert gebauten Hauses in der Hauptstr. in Neu Darchau.


Nach dem Tod von „Opa Daus“ wohnten „Tante Dora“ Daus und ihr Ehemann „Onkel Willi“ Schuldt mit Erika und Günter Konau in diesem Haus.

Wilhelm und Dora Schuldt (geb. Daus)

Nur kurze Zeit später wurde der erste Sohn Thomas noch im Jahr 1960 geboren. 1964 folgte dann Andreas und zum Schluss 1970 die Tochter Angela. Die weitere Geschichte dieser Familie Konau ist hier zu lesen.

Familie G. Konau mit Partnerinnen der Söhne – Silberhochzeit 1982