Eine Hofchronik aus Vreschen-Bokel (1581–1959)
Landschaft und Dorf

Die Bauerschaft Vreschen-Bokel liegt am Rand der Geestlandschaft des Ammerlandes. Schon im Mittelalter entstand hier eine kleine Siedlung aus wenigen Höfen, die auf den trockenen Geestrücken zwischen Moor und Niederung lagen.
Die Felder lagen auf dem sogenannten Esch, während Wiesen und Moorflächen weiter draußen genutzt wurden. Wallhecken markierten Besitzgrenzen und schützten die Äcker vor Wind und Vieh.
Mitten in dieser Landschaft entsteht im späten 16. Jahrhundert eine kleine Hofstelle – die spätere Köterstelle Schuhmacher.
1. Der Anfang – Jürgen Schumacher (um 1581)
„Ich bin Jürgen Schumacher, und ich wage etwas Neues. Die Autoren dieser Homepage sind meine Enkel in 11. Generation. Schön, dass Sie meine und unsere Familiengeschichte hier wein wenig aufleben lassen.“
Es ist das Jahr 1581. Die Landschaft um Bokel ist noch weitgehend unerschlossen. Nur wenige Höfe stehen hier zwischen Wald, Heide und Moor.
Ich habe mich entschieden, hier am Weg über den Esch eine eigene Köterstelle zu gründen. Mein Land ist nicht groß, aber ausreichend für einige Tiere und ein paar Ackerstreifen.
Ich baue ein einfaches Wohnstallhaus aus Holz und Lehm. Pferd, Kuh und Schwein teilen sich den Raum mit uns Menschen – so ist es hier üblich.Noch ahne ich nicht, dass meine Nachkommen diesen Hof mehr als drei Jahrhunderte lang bewirtschaften werden.
2. Der Hof wächst – Gerd Schumacher (ca. 1616–1679)
„Ich bin Gerd, Sohn des Jürgen.“ Unser Hof ist klein, doch er hat Bestand. Ich arbeite die Felder auf dem Esch und halte einige Tiere. Im Mannzahlregister wird mein Besitz festgehalten:
- 2 Pferde
- 2 Kühe
- Jungvieh
- ein Schwein
Auch eine Musketenwaffe besitze ich – damals ein Zeichen, dass jeder Mann im Notfall zum Schutz des Landes beitragen muss.
Unsere Familie lebt von harter Arbeit, doch der Hof trägt uns.
3. Eine Hoferbin – Talke Schumacher (1651–1719)
„Ich bin Talke Schumacher. Dieser Hof gehört meiner Familie.“ Als Tochter des Hofes werde ich zur Hoferbin. Mein Bruder ist noch ein kleines Kind, als unser Vater stirbt. 1677 heirate ich Theil Stören, er stammt aus einer angesehenen Familie hier in der Gemeinde. Mit der Hochzeit nimmt er den Hofnamen an und wird fortan auch Schumacher genannt.
Gemeinsam führen wir den Hof weiter. Unsere Kinder wachsen zwischen Stall, Acker und Heide auf. Wir wissen: Der Hof muss an die nächste Generation weitergegeben werden.
4. Der Hof im 18. Jahrhundert – Dierk Schumacher (1718–1783)
„Ich bin Dierk Schumacher, Enkel des alten Hofes.“ Ich übernehme die Köterstelle im Jahr 1739.Das Leben hier ist hart. Der Boden ist sandig, und wir müssen viel Arbeit investieren, um genug Ertrag zu bekommen. Meine Frau Thalke Cathrine Wilken und ich bewirtschaften den Hof gemeinsam. Unser Sohn Gerd wächst heran. Er wird eines Tages den Hof übernehmen.
5. Das Feuer – Gerd Schumacher (1759–1831)
„Ich bin Gerd Schumacher – und mein Hof brennt.“ Im Jahr 1804 geschieht das grosse Unglück.
Ein Feuer zerstört unser Wohnhaus. Die Flammen greifen schnell um sich. Nur die Scheune bleibt verschont. Wir verlieren fast alles. Doch wir geben nicht auf.
Mit Hilfe von Nachbarn und Familie bauen wir den Hof wieder auf. Bereits ein Jahr später steht ein neues Haus auf dem alten Platz. Der Hof lebt weiter.
6. Ausbau und Modernisierung – Friedrich Schumacher (1810–1860)
„Ich bin Friedrich Schumacher.“ Als ich den Hof übernehme, beginne ich ihn zu weiter verbessern und zu erweitern. Ich baue:
- einen neuen Stall
- ein Düngerhaus
- bessere Wirtschaftsgebäude
Meine Frau Anna Catharina Timmermann und ich sorgen dafür, dass der Hof größer und leistungsfähiger wird. Unsere Kinder sollen eine bessere Zukunft haben.
7. Das 19. Jahrhundert – Gerd Diedrich Schumacher (1838–1893)
„Ich bin Gerd Diedrich Schumacher.“ Die Landwirtschaft verändert sich. Neue Geräte kommen auf die Höfe, und die Felder werden intensiver genutzt. Doch das Leben bleibt schwer. Krankheiten sind häufig, und viele Menschen sterben früh. Als ich 1893 sterbe, übernimmt mein Sohn Friedrich den Hof.
8. Krieg und Fortschritt – Friedrich Schumacher (1877–1941)
„Ich bin Friedrich Schumacher.“ Als junger Mann übernehme ich den Hof.
Auch ich baue weiter:
- einen neuen Stall
- einen Kälberstall (1908)
- eine Heuscheune (1912)
Doch dann kommt der Erste Weltkrieg. Ich werde Soldat im Infanterie-Regiment 74. Zweimal werde ich verwundet, doch ich kehre nach Hause zurück. Der Hof wartet.
9. Die letzten Jahre der Schumacher-Hofstelle – Georg Schumacher (1885–1954)
„Ich bin Georg Schumacher.“ Nach dem Tod meines Bruders übernehme ich den Hof.
Die Welt verändert sich:
- Maschinen kommen auf die Höfe
- Straßen werden gebaut
- neue Siedlungen entstehen
Doch die alte Köterstelle bleibt klein. 1949 adoptiere ich Johann Werner Rottinghaus, der unseren Namen annimmt.
Das Ende einer Hoflinie – 1959
Nach Jahrhunderten entscheidet sich unsere Familie, den Hof zu verkaufen.
1959 geht die alte Schumacher-Köterstelle an die Familie Boyken über.
Damit endet eine über 300-jährige Hof- bzw. Familiengeschichte an dieser Stelle.
Doch der Hof bleibt –
als Teil der Geschichte von Vreschen-Bokel.